PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Kein Plustern um tote Hühner!

Stadtleben | aus FALTER 41/06 vom 11.10.2006

... verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen ... dann komm und folge mir nach ...

Mk 10,17-30 (Evangelium am 28. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres B)

Schräg mir gegenüber liegt das Hendlgeschäft, worin ich mir täglich den Tagesteller kaufe, den Herr Schmid bereitet. Unser traumhafter Streit aber geht so, dass ich immer mehr zahlen will, aber Herr Schmid ist mächtiger als ich, und ich bin voll fresssüchtig und dem Hendlgeschäft gänzlich verfallen. So in etwa muss es mit Jesus auch begonnen haben im nazaretinischen Hendlgeschäft, und Jesus wird der Handlung immer mehr aufdrängen haben wollen, als diese bereit war zu nehmen. Ganz Nazaret hat gemunkelt, aber das war Jesu Traum von der paradoxen Intention: Das Hendlgeschäft will fortwährend weniger, als er von Herzen gerne zahlungslüstern war. Das wäre eine Jugendbewegung, wie ich sie gerne sähe: mehr zahlen wollen, als jede Handlung beim besten Willen zu nehmen bereit ist und sogar die Gesetzeslage verbietet, denn da gibt es ja ein Gesetz für den anständigen Preis. Und wenn du den umdenkst in deinem Wahn, dann muss es ja auch nach unten hin gelten und gleichsam jedes Geschäft nötigen, eine Mindestzahlung anzunehmen. Sodass du, so sinniere ich, einen Mindestbetrag dulden musst, den die Käuferschaft also dann auch mindestens zu geben bereit sein muss, denn sonst kommt die Polizei und du wirst gekreuzigt. Wann bildet sich endlich eine Jugendbewegung der Andersrum-Intention. Sofort wenn ein Mitglied dieser Bewegung Menschen ein Klischee erfüllen, eine Herkömmlichkeit im Mainstream waten sieht, gehen sie her und schauen bei Wikipedia, was nicht üblich wäre, was gegenläufig wäre, und vollstrecken in stiller Lust und Trauer eben dieses Gegenteil und sind erfüllt. Und irgendwann überreichen sie einen Nobelpreis dafür, dass eines in die Hendlgeschäfte ging und alle toten Hühner auferweckte, und dann in die Schlafzimmer ging und sie sogar auferweckte aus unseren Mägen! Und die Hühner werden flehen, geschlachtet und verzehrt zu werden, aber das Nobelpreisträgy holt sie wieder raus aus den Mägen. Und wir werden satt und die Hühnys werden trotzdem leben.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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