Kommentar

Eine Bombe namens Pamuk

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 42/06 vom 18.10.2006

Mit dem türkischen Romancier Orhan Pamuk hat es beim Literaturnobelpreis heuer einen Favoritensieg gegeben. Der Autor war im Vorjahr wegen "Verunglimpfung des Türkentums" vor Gericht gestanden, weil er in einem Interview den Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915 zur Sprache gebracht hatte. Dass zeitgleich mit der Nobelpreisentscheidung ein Gesetz verabschiedet wurde, das die Leugnung besagten Völkermordes in Frankreich unter Strafe bis zu einem Jahr Haft stellt, macht den Literaturnobelpreis heuer noch ein bisschen brisanter als sonst.

Im Unterschied zu dem fragwürdigen Gesetz ist die Vergabe des Nobelpreises an Pamuk aber vermutlich eine richtige, der Verständigung und Versöhnung zuarbeitende Geste - obgleich sich das deutschsprachige Feuilleton auffällig oft einer martialischen Metaphorik bediente: "Wie eine Bombe" sei die Nachricht in der türkischen Öffentlichkeit eingeschlagen, meldete die Neue Zürcher Zeitung; die Frankfurter Allgemeine Zeitung verglich die Entscheidung


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