SPIELPLAN

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 42/06 vom 18.10.2006

Schon als Bub im Wurstelprater hat Günther Paal alias Gunkl alles durchschaut. Warum sich die anderen Kinder darum gerissen haben, Lokführer zu sein, obwohl sie offensichtlich keinen Einfluss auf die Ringelspieleisenbahn hatten, war ihm schleierhaft. Der auch als Sideman von Alfred Dorfer bekannte Gunkl ist der Vifzack unter den Kabarettisten; seine extrem elaborierten Programme können ziemlich anstrengend sein. Auch sein achtes Solo "Wir - schwierig" (bis 21.10. Kulisse, 26. bis 28.10. Orpheum, 30.10. bis 4.11. Vindobona) ist keine ganz leichte Kost, für seine Verhältnisse aber vergleichsweise kulinarisch geraten. Der Abend hat diesmal keinen komplizierten Überbau, und neben Wittgenstein-Thesen ("Die Welt ist alles, was der Fall ist") werden auch lebensnahere Axiome ("Gut gewichst ist besser als schlecht gepudert") durchgenommen. Warum sind erfundene Geschichten beliebter als Urlaubsvideos? Was ist Lüge? Hat unser Dasein einen Sinn? Das sind so die Fragen, die Gunkl diesmal aufwirft. Man hört ihm dabei gerne zu. Auch wenn man selbst einst zur Lokführerfraktion gehörte.

Wien, 1. Mai 2003: Nach einem Reaktorunfall im Prater ist die Stadt kontaminiert, die Republik befindet sich im Ausnahmezustand, die Lage eskaliert. So weit die Ausgangssituation für den Fortsetzungsulk "Campaign", den die Gruppe Monochrom derzeit in der Roten Bar (bis 17.11. jeden Freitag um 22.30 Uhr) des Volkstheaters veranstaltet. Die sechsteilige Serie funktioniert nach den Regeln des amerikanischen RPG-Systems (RPG = Role Playing Game): Ein dreiköpfiges Ensemble (darunter der immer witzige Andy Hallwaxx) improvisiert sich mit wechselnden Gästen durch aberwitzige Plots, wobei sie von zwei "Gamemastern" (die "Monos" Johannes Grenzfurthner und Roland Gratzer) an der langen Leine geführt werden. Die erste Folge hatte zwar ihre Momente (Beatrice Frey auf Drachenjagd in der U-Bahn!), war mit fast zwei Stunden aber ungefähr doppelt so lang wie lustig. Diese Woche zu Gast: Alfred Dorfer.


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