Tschechows neue Kleider

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 42/06 vom 18.10.2006

THEATER E-Gitarre statt Samowar: Die Josefstadt spielt "Die Möwe" und macht sich jünger, als sie ist.

A nton Tschechows "Möwe" ist ein Generationendrama unter Künstlern und ein Künstlerdrama zwischen den Generationen. Der Schauspielerin Arkadina und ihrem Lebensgefährten, dem erfolgreichen Schriftsteller Trigorin, stehen Arkadinas Sohn Konstantin, ein glühender Jungautor, und dessen Geliebte Nina, eine junge Schauspielerin, gegenüber. Der junge Wilde Konstantin leidet unter der Ignoranz seiner egozentrischen Mutter, und er verachtet die konventionelle Literatur Trigorins. Im Kampf der Generationen bezieht Tschechow keine eindeutige Position; der Witz - beziehungsweise die Katastrophe - dieser "Komödie" besteht darin, dass alle nur mittelmäßige Künstler sind.

Im Theater in der Josefstadt muss man ein Stück wie "Die Möwe" derzeit als Kampfansage interpretieren. Immerhin wurde das alte Theater gerade von einem jungen neuen Direktor übernommen. Herbert Föttinger ist zwar bei weitem


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