STREIFENWEISE

Kultur | Joachim Schätz, Michael Pekler | aus FALTER 42/06 vom 18.10.2006

Will man dem Hollywoodkino glauben, dann sind die wahren Soldaten von heute heillos überforderte Ordnungshüter: Zuletzt behandelte Oliver Stone zwei im "World Trade Center" verschüttete Polizisten, als wären sie geschundene G.I.s, nun erzählt "The Guardian - Jede Sekunde zählt" nach allen Regeln des Kriegsfilms ausgerechnet von der einzigen Elitetruppe des US-Militärs, die ausschließlich zum Lebensretten ausgebildet ist: den Rettungsschwimmern der Coast-Guard. Wenn hier ein traumatisierter Profi (Kevin Costner) eine Gruppe Jungspunde zu Schwimmassen drillt und dabei ein egozentrisches Talent (Ashton Kutcher) zum gehassliebten Ziehsohn macht, dann fehlt kein einziges Klischee soldatischer Verbrüderung und Disziplinierung - von der innigen Prügelfreundschaft unter Männern bis zum sadistischen Ausbildner mit eisblauen Augen. Lang und breit wird über zumutbare Belastungen und unvermeidliche Verluste verhandelt: Der exakte Spiegel eines geopolitischen Selbstverständnisses, für das es keine Kriege, sondern nur noch Rettungseinsätze gibt.

Schon seit längerem will uns Hollywood weismachen, dass Superhelden in Wirklichkeit emotionale Weicheier ("Spiderman"), unbeliebte Wichtigtuer ("The Incredibles") oder egoistische Windbeutel ("Batman Begins") sind. An der Demontage der Weltenretter wird also gehörig gearbeitet, und mit "My Super Ex-Girlfriend" legt Komödienveteran Ivan Reitman nun noch ein Schäuferl nach: Uma Thurman hilft als "G-Girl" zwar Schutzlosen und Bedürftigen auf dem Dienstweg, für das private Glück erweisen sich ihre Fähigkeiten jedoch als kontraproduktiv. Findet jedenfalls Luke Wilson, der die neurotische Cholerikerin einfach nicht mehr los wird und die Kräfte der Freundin nun am eigenen Leib erfahren muss. Die Drohung mit der Kettensäge im Arsch nimmt sich da vergleichsweise noch harmlos aus. Endlich ist das superheldische Subgenre bei der finalen Eigenparodie angelangt, was stellenweise sogar wirklich lustig ist - da lacht die Macht.


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