STADTRAND

Richtig, Rilke

Stadtleben | aus FALTER 42/06 vom 18.10.2006

Man muss ja nicht unbedingt laut Rainer Maria Rilke zitieren, also jenen Dichter, der einem den Herbst mit düsteren Vorahnungen zu vermiesen versucht ("Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben"). Man muss überhaupt nicht lesen, wachen oder lange Briefe schreiben. Man kann nämlich auch einfach nur einen schönen Nachmittag dazu nutzen, ein bisschen in der Gegend herumzuspazieren. Zum Beispiel fährt man mit dem 35A nach Neustift am Walde, geht dann die Straße entlang und gelangt durch leergefutterte Weingärten (die die ansässigen Weinbauern freundlicherweise nicht eingezäunt haben) in den Wienerwald. Hier wandert man dann noch etwas über Wiesen und Waldboden neben der Höhenstraße entlang und kehrt im Häuserl am Stoan ein. Unbedingt. Nicht nur weil sich Döbling hier oben von seiner angenehmen Seite zeigt und der Blick auf die Stadt schlicht ein Wahnsinn ist, sondern auch weil man für relativ wenig Geld relativ viel zu essen bekommt. Zurückwandern muss man nicht, der 43B bringt einen wieder in die Zivilisation. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich nämlich heuer eh keines mehr. Richtig, Herr Rilke. C. W.


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