Mit G.R.A.M. durch China

Mao hatte Recht

Steiermark Kultur | aus FALTER 43/06 vom 25.10.2006

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: "Greife auch dann noch selbst zum Besen, wenn du Tausende für dich kehren lassen könntest." Wenn die Schar der Werktätigen - selten genug - pausiert, lehnen die der Sauberkeit im großen Reich der Mitte dienlichen Kehr-und Wischgeräte an Hausmauern und Zäunen, ruhen am Trottoir, trocknen auf und vor sich hin. Millionenfach. Sie prägen das Alltagsbild wie die Mahjonggspieler, Hundebabies oder Rikschafahrer. Textile Strähnen, Fransen, Streifen und Lappen, aus einem Stab herauswachsend: So hat man sich die durch mangelnde Erfahrung manövrierunfähig gewordenen Dinger aus Goethes Zauberlehrling vorgestellt. Freche Kehrutensilien mit einem Eigenleben. Wer genau hinsieht, erkennt Gesichter in ihnen. Frisuren. Falten. Und Münder. Sie weisen Gebrauchsspuren auf, manche aus der namenlosen Armee sind fleckig, löchrig, abgenutzt. Ein nicht Namenloser, der Ex-Vorsitzende Mao-Tsetung, hatte weiland bemerkt: "Wo der Besen nicht hinkommt, wird der Staub nicht von selbst verschwinden." Er ist vielen Irrtümern unterlegen, aber da hatte er zweifellos Recht.

Das Grazer Künstlerduo G.R.A.M., derzeit für drei Monate auf Stipendienaufenthalt im chinesischen Chengdu, berichtet im Falter regelmäßig über Merkwürdiges aus dem Reich der Mitte


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