hundert jahre zeit ausgleich

Steiermark Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 43/06 vom 25.10.2006

Her mit den kleinen Studentinnen!

Sie sind wieder da, und sie werden die Welt verändern. Und sie denken nicht an morgen, singen frohes "Heut ist heut!" Komm, mein Schatz, vergiss die Sorgen, in der Jugend Seligkeit! Und sie wollen Riesenschnitzel, Probeabos von Qualitätsmedien und viele Gratis-SMS pro Monat. Und eine ID-Card! Sie wollen als KollegInnen angesprochen werden und billige ÖBB-Vorteilskarten und Versicherungen! Und sie wollen nie wieder Faschismus und Studiengebühren, sie wollen SERVICE, und sie wollen Lokale, die Kulturhauskeller heißen, und haben kein Problem mit Bürgerlichkeit oder gar Volkstum, wenn es im Sinne karrierefördernden Networkings in den eigenen Lebensplan integriert werden kann. Sie haben auch Hunger auf Kultur, weil Kultur ein klasse Spielfeld ist für die Welt da draußen. Und wenn der Flieder blüht und das Weinlaub glüht, wenn im Herzen die feurige Jugendlust brennt, dann wachen sie auf und sind auf einmal nicht mehr Student, weil sie schon wieder vergessen haben, diesen Erlagschein einzuzahlen. Und dann stehst du draußen und bist wieder mal gar nichts, keine Gratis-SMS, kein Studentenkonto, keine Jugend mehr zu verschwenden. Und das ist dann wie im Kulturhauskeller stehen und nicht besoffen und gambrig sein. Dann hoch das Glas und sing beim Scheiden, vale universitas! Vale Fleischeslust und Freuden, ex und dann zerschell das Glas. Und dann lass dich nie wieder blicken im Univiertel.


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