STADTRAND

Mütchen, Hütchen!

Stadtleben | aus FALTER 43/06 vom 25.10.2006

Also denkt man, die Leute sind echt nicht so blöd, dass sie immer noch und immer wieder auf den Schmäh beim Gehsteigroulette reinfallen. Sind sie halt aber doch und bleiben bei den Hütchenspielern stehen, setzen 50-Euro-Scheine, gewinnen womöglich ein bisschen und verlieren dann alles beim Poker mit dem Kugerl. "Wo ist der Ball?", fragen die schmierigen Straßencroupiers, verschieben blitzflink ihre Zündholzschachteln und lassen die Papierkugel dabei geschickt verschwinden. So schnell kannst du gar nicht schauen! Ein paar Komplizen, perfekt getarnt als harmlose Passanten mit Einkaufstaschen und Markenklamotten, spielen mit, man lässt sie gewinnen, haushoch - wer glaubt da nicht ans große Glück? Längst hat die Stadt den Hütchenspielern den Kampf ansagen wollen. Nichts ist passiert. Nun ließ der Ottakringer Bezirkschef Flyer drucken und am Brunnenmarkt verteilen. In Berlin packt man das Hütchenthema mit mehr Mütchen an und warnt mehrsprachig mit Durchsagen. Doch vielleicht wollen die Leute ja ihr Geld auf der Straße verlieren. Es spielen schließlich auch genug Lotto oder Hochglanzroulette. C. W.


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