Sonderbar' Ding

Wolfgang Paterno | Stadtleben | aus FALTER 43/06 vom 25.10.2006

STADTMENSCH Vor einem Vierteljahrhundert eröffnete Peter Jansky sein Operncafé. Porträt eines Musikfanatikers, der in der City eine Insel bewohnt.

Für seine Hausgötter und seine vielen Nebengötter würde Peter Jansky jederzeit einen Mord begehen, das heißt: sich eine Grobheit erlauben. Folgende Opernsängerinnen verehrt Peter Jansky: 1. Martha Mödl. 2. Ljuba Welitsch. 3. Rita Streich. Die männlichen Haudegen: 1. Franco Corelli. 2. José Carreras. 3. Alfredo Kraus. Jansky kann sehr streng werden, wenn jemand seine Heldinnen und Helden beleidigt. Einmal war eine Reporterin eigens aus den USA angereist, um den berühmten Mann und sein Kaffeehaus in der Riemergasse kennenzulernen. Die Journalistin studierte die Speisekarte, aus den Lautsprecherboxen drang Maria Callas. Statt dem Wunsch nach Gulasch nachzukommen, setzte Jansky seinen Wenn-Blicke-töten-könnten-Blick auf und knurrte die hungrige Frau an: "Wenn Callas singt, wird nicht serviert!"

Vor 25 Jahren eröffnete Jansky sein Operncafé.

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