KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 44/06 vom 02.11.2006

Wenn Kurator Raimar Stange im Kunstraum Niederösterreich seine vertrackte Ausstellung "Klartext Berlin" (bis 23.12.) nennt, dann liegt die Betonung eindeutig auf "Text": "Klar" ist hier außer dem Wohnort der Künstler wenig. Die gezeigten Arbeiten meiden eindeutige Gesten und vermitteln ihre politischen Fragestellungen lieber beiläufig. Etwa die verrätselten Wortreihen von Olaf Nicolai: Übereinandergedruckte Namen wie "Sirius", "Chromite" oder "Albatros" lassen auf konkrete Poesie tippen oder ein vertracktes Buchstabenrätsel vermuten. In Wahrheit handelt es sich um die Decknamen von Geheimdienstoperationen und Militäroffensiven. Unschlüssig steht man auch vor der Vitrine, die Elke Marhöfer mit französischen Gesetzestexten und Bildmaterial gefüllt hat. Frankreichs Regelungen zum Ausnahmezustand wurden in dessen Kolonien erfunden, sollen diese Dokumente erklären; den Bezug zu den Krawallen in den Banlieues letztes Jahr muss der Betrachter selbst herstellen. Von Carla Ahlander


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