STREIFENWEISE

Kultur | M. Omasta / D. Robnik | aus FALTER 44/06 vom 02.11.2006

Nein, nein, beteuert J.P. Meyer, Bombendrohungen auf Anrufbeantwortern zu hinterlassen, sei absolut nicht sein Stil; wollte er jemandem Angst machen, würde er vielmehr eine Bombe in dessen Nachbarschaft hochgehen lassen. Herr Meyer war einer der unrühmlichen Stars von "The Leader, His Driver and the Driver's Wife", einem Film, den Nick Broomfield 1991 über die Schreckensherrschaft der offen faschistischen AWB (Afrikanische Widerstandsbewegung) drehte. 14 Jahre später ist der britische Dokumentarist für "His Big White Self" nach Ventersdorp, Südafrika, die Hochburg des bösen weißen Mannes, zurückgekehrt, um den "Führer" Eugene Terre'Blanche, seinen Chauffeur Meyer und dessen inzwischen geschiedene Frau noch einmal zu interviewen. Ein riskantes, hochspekulatives Unterfangen, das im Grunde mehr über Broomfields verwegenen Narzissmus erzählt als über irgendetwas anderes sonst.

"The Wicker Man", ein britisches Gruseldrama von 1974 mit nicht ganz nachvollziehbarem Kultstatus, kommt wieder. Neil LaButes kostenschonendes Remake verlegt den Plot vom Polizisten, der in einer Sektengemeinde in Rituale verstrickt wird, von Schottland an die US-Pazifikküste. Und er setzt neue Akzente: Der neoheidnisch-hippiehafte, exhibitionistische Pansexualismus der 74er-Sekte wird abgelöst von der "Identitätspolitik" mürrischer Biobäuerinnen; halb Amish, halb Powerfrauen, verehren sie eine clownesk geschminkte Übermutter (gespielt von Ellen Burstyn, der Frau Mama aus "Der Exorzist"; im Original war Christopher Lee der Sektenchef). Anstelle eines Bigotten unter Schotten zeigt uns heute Nicolas Cage, Hollywoods Allzweckarbeitstier und Co-Produzent des Films, als spießiger Cop, dass er nervlich fertig ist und sich auch sonst in der Rolle unwohl fühlt. Mit planloser Inszenierung und bis in die Statisterie hinein überforderter Besetzung pendelt sich "The Wicker Man" zwischen angepeilter Unheimlichkeit und unbeabsichtigter Albernheit auf umfassenden Aberwitz ein. Das hat sogar was.


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