AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 44/06 vom 02.11.2006

Zwei grandiose, autobiografisch grundierte Werke vom Leben und Überleben als Flüchtling in Frankreich, 1939 ff., vom Zusammenbruch und der Okkupation: als die Menschen "die Macht über die Dinge verloren" hatten und diese nun ihr eigenes leidenschaftliches Leben lebten. "Wir hatten Straßen gesehen, die sich vor Angst aufbäumten, wehklagende Häuser und sterbende Waffen", beschreibt Leon Kane (1913-2003), aus Galizien stammender Übersetzer und Bibliograf, in "Der Fallstrick" die Ankunft des namenlosen Ich-Erzählers und zweier Freunde in Bagnères-de-Luchon in den Pyrenäen. "Dieser Ort war von hysterischem Lachen geschüttelt." Man lernt, das Provisorische als Normalzustand des Alltags im Exil zu schätzen, entwickelt ungeahnte Energien bei diversen Gelegenheitsarbeiten und erfährt von Unbekannten manch kleinen Freundschaftsdienst. "Ich bestellte noch einen Aperitif und streichelte den Busen der Kellnerin, die nichts dagegen hatte." Leider stieß Kanes unaufgeregte, klare Prosa seinerzeit


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