Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 44/06 vom 02.11.2006

SEX

Neurotische Hühner Meine Lieblingsgrübelfreundin hat sich verliebt. Also nicht so wie immer, mit Adhoc-Ewigkeitsgefühlen und Trennung nach zwei Tagen, wo ich dann beratend und tröstend wirken kann, sondern richtig und sinnvoll in wen echt Superen. Anfangs wollte sie nicht mit dem ins Bett. Weil: Wenn das nicht gut gelaufen wäre und der sie nachher nicht mehr wollen hätte, dann wäre ihr keine Medikation eingefallen, mit der sich das zu erwartende Supertief durchgurken hätte lassen. Der betreffende Herr wiederum wollte aber, weil er einfach wollte und ihm solche Hirnwichsereien zu kompliziert waren. Selbstlos habe ich angeboten, mich interimistisch sich seiner zu erbarmen, dann wär's ja so quasi in der Familie geblieben. Das hat gewirkt: Seit drei Wochen wird nur mehr giggelnd das Telefon abgehoben, im Hintergrund grunzt wer zufrieden. Ich fühle mich um die Umsetzung meiner durchdachten und konstruktiven Lösungsansätze geprellt, weiters entthront und will daher meine unglückliche Freundin zurück. Änderungen sind doof.

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FUSSBALL

Hundstage 2 Man muss kein Deutschlandfan sein, um den Film "Deutschland. Ein Sommermärchen" toll zu finden, in dem Sönke Wortmann den einigermaßen sensationellen Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bei der diesjährigen Fußball-WM dokumentiert (Kritik siehe Seite 62). Weil Wortmann das Team quasi als embedded journalist begleiten durfte, bekommt man Einblick in Bereiche (Kabine!), die einem sonst verschlossen bleiben. Als Österreicher wünscht man sich natürlich sofort, dass der ÖFB für die EM 2008 einen ähnlichen Film in Auftrag gibt. Aber wer sollte den machen? Nahe liegend wäre Ulrich Seidl ("Hundstage"), aber auch Harald Sicheritz ("Freispiel") oder Michael Glawogger ("Nacktschnecken") kommen in Frage. Nur Hubert Sauper ("Darwins Nightmare") zu fragen, wäre zynisch.

WOLFGANG KRALICEK


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