Fragen Sie Frau Andrea

Les Bobos

Stadtleben | aus FALTER 44/06 vom 02.11.2006

Liebe Frau Andrea,

was sind eigentlich Bobos? Wer hat dieses Wort erfunden? Doris Knecht gebraucht den Begriff oft, in der vorigen Ausgabe des "Falter" erwähnt auch Robert Misik die Bobos. Mir ist nicht klar, was genau einen oder eine Bobo ausmacht. Sind Knecht und Misik selbst auch Bobos? Bitte um Aufklärung!

Mit freundlichen Grüßen,

Eva Atzmüller, Leopoldstadt

Liebe Eva,

für David Brooks, den Erfinder des Wortes Bobo, dürften Doris Knecht, Robert Misik und Frau Andrea ungeachtet ihrer eigenen Positionen zu diesem Begriff idealtypische Bobos sein. 2000 veröffentlichte der konservative Kolumnist der New York Times das Referenzwerk "Bobos in Paradise: The New Upper Class and How They Got There". Das Kunstwort Bobo konstruierte er aus den scheinbaren Gegensätzen bourgeois (bürgerlich) und bohemian (Künstler). Nach Brooks sind Bobos "die neue Elite des Informationszeitalters", ihr Lebensstil führe zusammen, was bisher als unvereinbar galt: Reichtum und Rebellion, beruflichen Erfolg und eine nonkonformistische Haltung, das Denken der Hippies und den unternehmerischen Geist der Yuppies. "Bobos leben idealistisch, pflegen sanften Materialismus, sind korrekt und kreativ zugleich." In Wien korreliert Boboismus mit Sympathie für die Grünen - mit Ausfransungen in die hedonistischen Zirkel der Sozialdemokratie und die liberalen Salons der Döblinger Regimenter. Wiener Bobos leben in Bobograd (Leopoldstadt), Bobopol (Josefstadt), Boboville (Neubau und Mariahilf) und im Boboais (Wieden und Margareten).


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