Politik ist Theater

Vorwort | Isolde Charim | aus FALTER 45/06 vom 08.11.2006

KOMMENTAR Sind die Koalitionsgespräche und ihre Verweigerung nur Theater? Im Gegenteil: Demokratie braucht das Theatralische.

Wir erleben nun schon seit einiger Zeit großes Koalitionstheater. Da gibt es alles: Intrigen, Emotionen, Verschwörungsfantasien, Untergriffe, Unterstellungen. Man kann sich dabei amüsieren oder genervt sein - nur eines sollte man nicht: die Politik darob verurteilen. Man sollte sich vor der landläufigen Meinung hüten, wahre Politik habe mit Theater nichts zu tun. Als ob die Rationalität des Politischen dort beginnt, wo die Inhalte von jeder Inszenierung getrennt werden.

Tatsächlich verhält es sich genau umgekehrt. In der Demokratie ist es Aufgabe der staatlichen Politik, den gesellschaftlichen Konflikten eine Bühne zu bieten. Die Unvereinbarkeiten der Gesellschaft können dort repräsentiert werden. Das ist kein billiger Ersatz für die "realen" gesellschaftlichen Konflikte, sondern vielmehr deren Verwandlung. Der Vorteil dabei: Die Konflikte werden aus dem


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