"Unsere Mitbürger"

Politik | Robert Misik | aus FALTER 45/06 vom 08.11.2006

ZEITGESCHICHTE I Monumental und erschütternd: Die neue "Geschichte der Juden in Österreich" beschreibt 800 Jahre jüdisches Leben - oder genauer: 800 Jahre bedrohtes jüdisches Leben in Österreich.

Die Metternich'schen Geheimpolizisten waren ganz aus dem Häuschen ob der seltsamen Sitten, die von zugereisten Juden aus Berlin eingeschleppt wurden. "Komische Lieder" wurden gesungen, alle "erhielten Geschenke oder Souvenirs", ist in einem Spitzelbericht über ein Fest im Hause der Berliner Jüdin Fanny von Arnstein zu lesen, die nach Wien geheiratet hatte. Der Ritus, den die Tochter des Vorstehers der Berliner jüdischen Gemeinde 1814 erstmals in Wien bekannt machte: das "Weihbaum-oder Christbaumfest", zelebriert "nach Berliner Sitte", wie der Polizeibericht vermerkt.

Der "urchristliche" Weihnachtsritus, wie er seit ewigen Zeiten gepflegt zu werden scheint, er ist in Wahrheit ein norddeutscher Brauch, den erst progressive Juden im Habsburgerreich populär machten. Gewiss, das ist nur ein


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige