Tränen aus dem Goldfischglas

Kultur | Gerhard Midding | aus FALTER 45/06 vom 08.11.2006

FILM Ein Mythos mit Bubikopf: Das Filmarchiv widmet der Schauspielerin Louise Brooks zum hundertsten Geburtstag eine Hommage.

Sie legte es nicht darauf an, vom Publikum geliebt zu werden oder ihm wohlfeile Identifikationsangebote zu machen. Koketterie war ein Privileg, das Louise Brooks nur ihren Leinwandfiguren zubilligte. Am besten stand ihr jener Ausdruck schelmischer Verschlagenheit zu Gesicht, mit dem sie ihren Leinwandpartnern und den Zuschauern signalisierte: Ich bekomme, was ich will, gleichviel, ob es euch gefällt.

Die gebieterische Leinwandpräsenz ihrer Glückssucherinnen kam ohne Rücksichtnahme auf bürgerliche Moralvorstellungen aus. In G.W. Pabsts Wedekind-Adaption "Die Büchse der Pandora" (1929) ist sie ein Geschöpf ihrer Impulse, folgt arglos der eigenen Natur. Nie weicht ihr Blick verlegen aus, wenn sie für sich erotische und soziale Mobilität reklamiert. In Pabsts "Tagebuch einer Verlorenen" (1929) lernt sie blitzschnell, ihren Weg durch das Labyrinth männlicher Begehrlichkeiten


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