Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 45/06 vom 08.11.2006

SEX

Kein Sex. Nur Kino. Ein normaler Sonntagsinglenovembernachmittagskinobesuch eines Bekannten. Einer, an dem er sich eine gefälligere Unterhose anzog, falls das gegengeschlechtliche einsame Alter Ego neben ihm im Kino zu sitzen gekommen wäre. Ein naives Kalkül, es flirtet sich nicht leichtherzig sonntagsinglenovembernachmittags. Der Film lief an, er saß alleine, eine Folge doofen Knausertums, niemand saß freiwillig in Reihe eins bis fünf. Während er versuchte, ob der Nähe zur Leinwand nicht seekrank zu werden, vernahm er Geräusche, die nicht zum Film gehörten und die er selber schon lange nicht mehr fabrizieren durfte. Nach einigen Minuten ergab er sich dem Umdrehzwang: etwa in Reihe 21 bis 25 tat ein Pärchen das, woran er sich kaum mehr erinnern konnte. Die waren um die sechzig. Uralt. Die schmusten nicht, die taten's. Obwohl uralt. Er wurde traurig. Irgendwann hörten die Geräusche auf. Er konnte dem Film weiterhin nicht folgen. Er war damit beschäftigt, seine Unterhose für ihre nutzlose Schönheit zu hassen.

HEIDI LIST

FUSSBALL

Im Angesicht des Dodes Vorige Woche hat mich die "Sendung ohne Namen" melancholisch gemacht. Anlass war ein nur wenige Sekunden langer, mindestens zwanzig Jahre alter Ausschnitt aus der Sendung "1-2-X" mit dem damaligen Austria-Tormann Hannes Weninger und Moderator Fritz Dodes, der gerade einen sensationellen Lachanfall hatte (vermutlich wurde die Sequenz nur in einer "Hoppala"-Sendung gezeigt). Die an sich sehr komische Szene stimmte melancholisch, weil es alle Beteiligten nicht mehr gibt. Okay, der öden Totovorschau "1-2-X" muss man nicht nachtrauern. Aber Hannes Weninger, zuletzt Manager beim GAK, ist voriges Jahr erst 47-jährig verstorben. Und Fritz Dodes, als Radsportexperte des ORF legendär, ist spurlos von der Bildfläche verschwunden. Traurig? Ja, aber so ist Fußball.

WOLFGANG KRALICEK


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