Mit G.R.A.M. durch China

Hasengulasch in Hallstatt

Steiermark Kultur | aus FALTER 45/06 vom 08.11.2006

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: "Die Sehnsucht ist ein Virus, gegen das alle Heilkünste vergeblich sind." Der hierzulande in karibischen Meer-und Palmen-Idyllen manifestierte Traum vom großen Glück trifft in China auf ein bodenständiges Pendant. Wo "Tofu der pockennarbigen Alten" und andere schwarfe Köstlichkeiten aufgetischt werden, entführt ein gerahmtes Riesenfoto die Speisenden ins ferne Österreich. Hasengulasch unter dem Alpensee, gedämpfte Seegurke an Fichtennadelwäldern. Hallstatt heißt einer von unzähligen Sehnsuchtsorten im Reich der Mitte, die den Alltag mit Exotik dekorieren. Der Mythentransfer verläuft auf keiner Einbahnstraße, wie dickbäuchige Buddha-Figuren und Reproduktionen von Nebelberg-Gemälden belegen. "Man wird uralt, man stirbt und wird begraben. Ohne das Nachbarland besucht zu haben", hatte der weise Lao-tzu einst geklagt. Die Anziehungskraft des Fremden ist ungebrochen. Nicht hier, dort müsste man sein. Und sei es nur in der Illusion. Hinein in die Kostüme und hinauf auf das (reale) Kamel und vor die Fotoleinwand, die viel Sand und Pyramiden zeigt. Via Foto nach Ägypten reisen: Tickets dafür gibt es im Zoo von Chengdu.

Das Grazer Künstlerduo G.R.A.M., derzeit für drei Monate auf Stipendienaufenthalt im chinesischen Chengdu, berichtet im Falter regelmäßig über Merkwürdiges aus dem Reich der Mitte


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