Mit G.R.A.M. durch China

Goldfische im Glück

Steiermark Kultur | aus FALTER 46/06 vom 15.11.2006

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: "Nähre Deine Nächsten, dann wirst auch Du nie Hunger leiden." In China steht das Essen im Ruf, Harmonie unter den Speisenden zu schaffen, im Idealfall symbolisiert die Ausgewogenheit des Menüplans die Stimmung der am Tisch Versammelten. Die Rede ist nicht vom (sicher gut gemeinten) Hunde-Feuertopf, der westlichen Geschäftspartnern immer noch in Kanton kredenzt wird. Besonders gut hat es im großen Reich der Goldfisch, der als Glückssymbol in keinem Tempelteich oder Aquarium einer Shopping Mall fehlen darf. In einigen Parks können Goldfische gegen ein Entgelt von umgerechnet 50 Cent mit Babyfläschchen gefüttert werden. Skurriler Sonntagnachmittag-Event? Rituelle Glückshandlung? Purer Infantilismus? Eine Ersatzhandlung für die von der Ein-Kind-Politik des Staates betroffenen Paare? Dutzende offene Mäulchen drängeln sich rund um die mit verwässertem Fischfutter gefüllte Flasche, so mancher Gebende darf sich - auf Zeit - als Weltenherrscher fühlen. Von Peter Handke zu Lao-tzu: "Das Glück ist es, worauf das Unglück lauert." Genau. Alles fließt. Nur keine Sicherheiten. Auch nicht am Goldfischteich.

Das Grazer Künstlerduo G.R.A.M., derzeit für drei Monate auf Stipendienaufenthalt im chinesischen Chengdu, berichtet im Falter regelmäßig über Merkwürdiges aus dem Reich der Mitte


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