VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 46/06 vom 15.11.2006

Das Gute: Sie sind immer noch da. Wie ich ja auch noch immer da bin. In anderer Funktion, aber da. Obwohl, manche sind immer noch in gleicher Funktion da, auch das ist schön. MAK-Direktor Peter Noever zum Beispiel sagte in seinem Antrittsinterview mit Gottfried Fliedl viele Sachen, die ich heute nicht mehr verstehe. Den Satz "Kunst und Bürokratie lassen sich nie miteinander verbinden" könnte man sich allerdings einrahmen und zum 50-Jahre-Dienstjubiläum schenken lassen.

Die beiden Protagonisten eines kleinen Leserbriefs sind auch noch da: "Fand den Liessmann-Artikel über Erwachsenenbildung einen anregenden und guten Beitrag zur EB-Diskussion - bringt (vielleicht, hoffentlich ... ) Schwung!" Gezeichnet: "Barbara Rett, Volkshochschule Hietzing". Liessmann lehrt mittlerweile Philosophie an der Uni, Rett bildet nicht mehr nur Hietzing, sondern die ganze Nation im ORF, aber sie sind noch da.

Da ist auch Rudolf Burger, Philosoph wie eh und je. Damals schon befasste er sich mit einem Thema, das er vor kurzem in der Kleinen Zeitung wieder aufgriff, der Ästhetik der Republik. Cool war er immer schon, brillant formuliert hat er sowieso, aber ein bisserl weniger cool las er sich doch: "Waldheim, Glykol und Reder; eine Unaufrichtigkeit, ein gepanschter Wein und ein Händedruck - warum haben sie dem Ansehen der Republik so unendlich mehr geschadet als vergleichbare Fälle in anderen Staaten (...)? Sie zerstören "das gesamte Image des Landes, weil es sich um (...) ästhetische Entgleisungen handelt, die, einmal passiert, nicht wieder gutzumachen sind. Was sie so bedeutsam macht, liegt nicht in ihnen selber, sondern in ihrer demaskierenden Funktion: Sie reißen der Republik die moralisch-rosa Larve vom Gesicht. Sind dessen Züge auch nur ein einziges Mal sichtbar geworden, so hat die Larve für alle Zukunft ihre Wirkung verloren; man weiß jetzt, wie sie aussehen."

A. T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige