STANDPUNKT

Die Strachemacher

Politik | aus FALTER 47/06 vom 22.11.2006

Egal, wie die Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP ausgehen, einer ist auf jeden Fall Sieger: FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Vor der Wahl wurde die FPÖ noch von SPÖ, ÖVP, Grünen und selbst dem BZÖ öffentlich geächtet. Jetzt kann sich das einstige Schmuddelkind Strache der Einladungen zum Kaffeeplausch mit Wolfgang Schüssel kaum erwehren. Der ÖVP-Chef findet seine Treffen mit der FPÖ "normal" und "inhaltlich nicht aufregend". Im Wahlkampf kritisierte er hingegen noch, die Freiheitlichen "raunzen und schimpfen und sind gegen Europa". Eine Zusammenarbeit käme nicht infrage. Jetzt gibt's, öffentlich inszeniert, Kaffee und Kuchen für Strache. Wenn die ÖVP mit der SPÖ verhandelt, wieso dann der Kaffeeklatsch mit den Blauen - und das auch noch an dem Tag, an dem Schüssel wieder zu Gusenbauer an den Verhandlungstisch zurückkehrt? Vielleicht wollen die Schwarzen nur den ungeliebten potenziellen Koalitionspartner SPÖ öffentlich brüskieren. Oder sie möchten den Roten signalisieren, dass es für die ÖVP auch Möglichkeiten rechts von einer großen Koalition gibt. Was Schüssel mit seinem Kaffeekränzchen definitiv erreicht: dass die Volkspartei nach der ÖVP-FPÖ-Koalition im Jahr 2000 zum wiederholten Mal eine Partei, die mit dumpf-rassistischen Sprüchen wie "Daham statt Islam" xenophobe Ressentiments schürt, salonfähig macht. N. H.


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