SPIELPLAN

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 47/06 vom 22.11.2006

Um das Publikum vorab nicht zu beeinflussen, werden zur neuen Performance von Miki Malör im Kosmos Theater (bis 25.11.) keine Informationen ausgegeben: "Was immer Sie erwarten, wir mischen uns da nicht ein." Alles muss man selber machen! Also gut: Das Stück heißt "Die Frau, die hundert Kuchen aß" und handelt von zwei Frauen, die keine hundert Kuchen essen. Der Abend beginnt damit, dass Miki Malör und ihre Bühnenpartnerin Martina Spitzer Tesastreifen auf die Bühne kleben, um sich voneinander abzugrenzen. Spitzer mampft Minzeblätter und schaltet gleichzeitig neun Elektrogeräte ein; Malör hackt mit einem Minibeil Zwiebel und lässt unter ihrem Reifrock Popcorn explodieren. Wortlos und ernst gehen die beiden neben-und nur ausnahmsweise miteinander ihrem stellenweise ziemlich komischen Nonsenshandwerk nach. Um die Künstlerinnen nicht zu beeinflussen, wird jedoch keine Bewertung abgegeben. Wir mischen uns da nicht ein.

Dem großen deutschen Theatermacher und Schriftsteller Einar Schleef (1944-2001) ist im Echoraum (bis 2.12.) eine "Theater-Installation" gewidmet. Aus dem Loft in der Sechshauser Straße wird "Das Sprechzimmer", das Publikum sitzt an Kaffeehaustischen (während der Vorstellung werden Getränke serviert), dazwischen flanieren und deklamieren neun Darstellerinnen und Darsteller Texte von Schleef und vielen anderen, bisweilen wird auch gesungen ("O Haupt voll Blut und Wunden!"). Das großformatige Chortheater Schleefs wird in der etwas sterilen Inszenierung von Joseph Hartmann und Werner Korn auf intime Cafétheaterdimensionen heruntergebrochen, der Effekt hält sich in Grenzen. Die Aufführung selbst dauert nur etwa siebzig Minuten, der Echoraum bleibt dann aber noch bis 23 Uhr geöffnet - eine Anspielung auf Schleefs legendäre "Sportstück"-Inszenierung im Burgtheater, als bei der Premiere die "Sperrstunde" überschritten wurde. Gut, dass es in dieser Stadt noch Leute gibt, die an Einar Schleef denken. Auch wenn nur ein Schleefchen dabei herauskommt.


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