Albert sings the Blues

Kultur | Andreas Dallinger | aus FALTER 47/06 vom 22.11.2006

MUSIKTHEATER In der Kammeroper erzählt das Musical "A Good Man" vom Rassismus in den guten alten Südstaaten.

Mississippi 1946. Die Segregation ist allgegenwärtig. Der Ku-Klux-Klan treibt nahezu unbehindert sein Unwesen. Noch ist kein Gerichtsurteil zur Verfassungswidrigkeit der Rassentrennung ergangen, und Martin Luther King wird seinen Traum erst formulieren. Menschen schwarzer Hautfarbe sind von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen.

In diese Zeit platzieren Philip S. Goodman (Buch) und Ray Leslee (Musik) ihr Musical "A Good Man" und treiben dabei dem düsteren Kapitel in der Geschichte des Land of the Free den Schrecken des Rassismus gründlich aus. Albert, ein tüchtiger afroamerikanischer Landarbeiter in den Diensten eines besonnen liberalen Weißen, möchte zur Feier der erneuten Schwangerschaft seiner Frau sein bescheidenes Häuschen weiß streichen. Da dies nur Weißen selbst vorbehalten ist, löst sein Plan Repressalien aus, die ihn am Ende zwingen, in die Stadt zu ziehen - nicht ohne vorher das Zeichen des neuen Anstrichs zu setzen. Schließlich muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss.

Da wird schon mal auf Alberts Kalb geschossen oder sein Sohn mit weißer Farbe übergossen. Aber das alles kommt mit so unverbrüchlich guter Laune über die Rampe, dass die gewaltsame historische Wirklichkeit als harmloser Rahmen eines vorweihnachtlichen Märchens aus den guten alten Südstaaten in den Hintergrund tritt. Grundsympathische Menschen singen mit kerngesunden Stimmen - brav begleitet vom Kammeropernorchester; dazu solide Gospel-und Bluessongs in unauffälligen Genrebildchenarrangements (Regie: Esther Muschol). Nichts, was die Behaglichkeit störte. Standing Ovations. Alles war gut.

"A Good Man": bis 21.12. in der Kammeroper. Karten: www.wienerkammeroper.at


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