NÜCHTERN BETRACHTET

De Senectute

Kultur | aus FALTER 47/06 vom 22.11.2006

Genau heute in einem Vierteljahrhundert bin ich siebzig, und dann werden wir ja sehen, ob es das bringt. Vermutlich wird es sich ganz normal anfühlen, so wie schon der zwanzigste, dreißigste. Und vierzigste Geburtstag. Die Leute tun immer so, als würde sich da knallfall was ändern, aber das ist Quatsch. Na ja, jedenfalls stimmt es so nicht ganz. Ein Bekannter, gut ein Jahrzehnt jünger als ich, klagte unlängst über seine erste Wurzelbehandlung, nachdem er bis dahin nie was mit den Zähnen gehabt hatte. Das Wurzelbehandlungslamento zählt zu den großen Pathosformeln unserer Zeit - man denke nur an Nate ("Six Feet Under"), der in einem seiner großen hamletesken Auftritte darauf verweist, bereits drei Wurzelbehandlungen hinter sich zu haben. Die Wurzelbehandlung ist das Viagra der Thirtysomethings. Für mich ist es mittlerweile so wie früher Kinogehen - nur öfter und teurer. Das hätte ich meinem juvenilen Bekannten sagen können, aber mich fragt ja keiner. Mir will überhaupt scheinen,


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