KUNSTHALLE K2

Ganz schön vergänglich

Steiermark Kultur | Thomas Wolkinger | aus FALTER 47/06 vom 22.11.2006

Fast ein ganzes Jahr war Pause. Vergangenen Samstag hat die kleine Gemeinde Semriach, 25 Kilometer nördlich von Graz in luftigen 707 Metern Seehöhe gelegen, endlich wieder eine Kunsthallen-Eröffnung erlebt. Mit verständiger Bürgermeisteransprache, schlauer Kuratorenrede und Hofer-Sekt - wie es sich gehört. K2-Chef Christian Eisenberger hat Mikrokurator Lorenz Seidler, bekannt als Betreiber des Wiener Kunstinfoknotens "eSeL", mit der Bespielung der schuhschachtelgro-ßen Halle, die erstmals 2002 am Semriacher Marktplatz ihre Sehschlitze für neugierige Besucher öffnete, beauftragt. Und sich gleich eine ordentliche Portion Institutionenkritik eingehandelt. Denn die vier von Seidler eingeladenen Vertreter der Wiener street-art-Szene (CMOD, Joey Greco, Nychos, Die Made) haben anders als Gottfried Bechthold oder Raymond Pettibon, die in den vergangenen Jahren Miniaturen für den knappen Innenraum der Halle zur Verfügung gestellt hatten, mit ihren Arbeiten den K2-Raum geschickt transzendiert und eine ganze Reihe alternativer Kunsthallen auf den herbstlichen Rasen gestellt: aus Karton (Zitat!), Styropor, Holz oder als bloße Stilisierung aus weißem Klebeband. Die Deutungsweisen, auf die Seidler in seiner aufklärerischen Ansprache verwies, sind dabei vielfältig und reichen vom Vanitas-Motiv bis hin zur Diskussion um öffentliche und geschlossene Kunsträume. Seidler: "Die Kunsthalle Semriach ist überall!" Die Ausstellung ist noch bis Mitte Jänner der rauen Semriacher Witterung ausgesetzt und wird sich entsprechend verändern.

"Ein schönes Stück Vergänglichkeit", Kunsthalle K2, Marktplatz Semriach, bis 12.1.2007.


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