STANDPUNKT

Ängstliche Allianz

Politik | aus FALTER 48/06 vom 29.11.2006

Größeren Wirbel garantiert wohl nur eine Attacke auf das 13. und 14. Monatsgehalt: Seit das Wirtschaftsblatt kolportierte, dass SPÖ und ÖVP angeblich eine kilometerabhängige Maut für Pkws planen, herrscht in der Republik helle Aufregung. Autofahrerklubs, Boulevard und FPÖ schimpfen ("skandalöse Wegelagerei"), SPÖ und ÖVP dementieren ("unvorstellbar"), und die Grünen eiern herum. Wieder einmal killt eine Allianz ängstlicher Populisten eine gute Idee, ehe diese überhaupt diskutiert wird. Denn grundsätzlich ist das ins Auge gefasste Modell bestechend: Kilometerfresser, die mehr Umwelt verpesten und Straßen ruinieren als andere Fahrer, sollen dafür auch mehr zahlen. Nur wenn sich die eigene Leidenschaft stark genug in der Geldbörse niederschlägt, werden Autoliebhaber zur Abwechslung einmal auf Bahn, Bus oder Bim umsteigen. Natürlich muss ein solches System intelligent aufgezogen werden. Pendler ohne Alternativen etwa bedürfen finanzieller Entschädigungen. Und Politiker mit Weitblick sollten die Maut in eine umfassende ökologische Steuerreform verpacken, die immer knappere Energie verteuert und Arbeit entlastet - damit das Volk unterm Strich nicht geschröpft wird. Ein(e) Steuer ist nämlich ein hervorragendes Instrument zum Lenken. Gerade Autonarren sollten dieses Prinzip kapieren. G. J.


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