Mitleid killt Würde

Kultur | Maya Mckechneay | aus FALTER 48/06 vom 29.11.2006

FILM Reiche Urlauberinnen, besitzlose junge Männer: Die Südseeparabel "Vers le Sud" entwirft ein kluges Szenario sozialen Ungleichgewichts.

Atmosphärisch haben sie nicht viel gemeinsam, die beiden nüchternen Dramen aus Frankreichs Alltag, "L'Emploi du Temps" ("Auszeit") und "Ressources Humaine", mit denen sich Laurent Cantet einen Namen als Chronist der neuen, kalten Arbeitsverhältnisse machte, und sein aktueller Film, "Vers le Sud" ("In den Süden"). Letzterer beginnt als Urlaubstagebuch einer Handvoll weißer, wohlhabender Touristinnen, die sich an den Stränden Haitis die erotische Zuwendung einheimischer Burschen erkaufen. Zum ersten Mal bedient sich Cantet hier einer literarischen Vorlage, dreier Kurzgeschichten von Dany Laferrière, und nimmt dabei ebenfalls erstmals Abstand von der Gegenwart. "Vers le Sud" spielt im Haiti der Siebzigerjahre, während der Diktatur von Jean-Claude Duvalier (besser bekannt als Baby Doc), und in den wenigen Szenen außerhalb des Ressorts umreißt


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