AUFGEBLÄTTERT


Matthias Dusini
Kultur | aus FALTER 48/06 vom 29.11.2006

Die Sowjetkunst der Dreißiger ist voller Frauenbilder. Die anfänglich noch schematischen Figuren werden im Verlauf des Jahrzehnts immer weiblicher. Aus der heroischen Arbeiterin wird ein zierliches Fräulein. Susanne Ramm-Weber analysiert in "Mit der Sichel in der Hand" die Funktion dieser Frauenbilder in der Entwicklung der Sowjetgesellschaft. Die Imagination sowjetischer Weiblichkeit speist sich aus heidnischen und christlich-religiösen Traditionen, etwa dem Glauben an "Mutter Feuchte Erde". Sie werden zum Sinnbild eines fruchtbaren Schoßes, aus dem die kommunistische Zukunft geboren wird. Nackte Arbeiterinnen planschen im Fluss, während hinten die Schornsteine rauchen. Die wichtigsten Beigaben der strengen Kolchosbrigadierinnen sind Blumen: Sie stellen die Verbindung des neuen Menschen zur gewachsenen Natur und dem Volksglauben her. Die Autorin untersucht auch die Rezeption dieser Frauenbilder in der zeitgenössischen Kunstkritik und deren Beitrag zur Entwicklung einer emotional

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