Fragen Sie Frau Andrea

Sonnenwinter

Stadtleben | aus FALTER 48/06 vom 29.11.2006

Liebe Frau Andrea,

neulich hörte ich im Radio, dass es zur Wintersonnwende nicht mehr weit sei und dass bis dahin nur noch eine Stunde Dunkelheit hinzukomme. Stutzig machte mich der Nachsatz, dass sich der Dunkelheitszuwachs mit 45 Minuten am Morgen und 15 Minuten am Abend äußerst ungerecht verteilt. Kommt die Sonneneinstrahlung aufgrund der Kälte langsamer in Fahrt, oder wird hier von oben willkürlich an unserer Zeit herumgeschoben?

Werner T., Liesing

Lieber Werner,

ich darf sie beunruhigen, an der Zeit wird massiv gedreht. Ein Hauptärgernis für zeitliches Ungemach sind Sonne, Erde, Mond und Planeten. Sie sorgen mit komplizierten Bewegungen umeinander, um ihre eigenen Achsen und mit kreiselartigen Taumelbewegungen dafür, dass Tage nicht genau aus 24 Stunden bestehen, Jahre nicht aus 364 Tagen und dass es am Globus nur auf gleichen Längengraden gleich spät ist. Und auch das nicht immer. Ungeachtet des wirklichen Standes der Sonne über den Horizonten von Liesing, Bregenz oder Kittsee, befinden wir uns in einer Zeitgleichheit mit den meisten mitteleuropäischen Ländern. Die mitteleuropäische Zeit führt dazu, dass auf Vardoe in Ostnorwegen die Sonne bereits um 10:53 Uhr am höchsten Punkt steht, am Kap Finisterre an der nordwestspanischen Küste dagegen erst um 13:37 Uhr. Auch bei uns ist es zu Mittag selten genau 12 Uhr. Ähnliches gilt für die Wintersonnwende (heuer am 22. Dezember um 1.22 Uhr). Sie liegt nicht einmal in Gmünd oder Gresten, wo Sonne und MEZ annähernd übereinstimmen, in der Mitte der kürzesten Nacht.


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