Mit G.R.A.M. durch China

Schlafen ist Gold

Steiermark Kultur | aus FALTER 49/06 vom 06.12.2006

Ein (sehr) altes chinesisches Sprichwort sagt: "Eine Stunde Müßiggang kann wertvoller sein als ein Tag sinnentleerter Arbeit." Und so legen sie sich zur Seite und nicken kurz mal ein, die Chinesen. Überall, auch im öffentlichen Raum. Bei den Schlafhaltungen gilt die Faustregel: Je komplizierter, desto gemütlicher. Im Bus wird der Kopf auf den Rückteil des Vordersitzes gepresst. Wie bei der Notlandung im Flugzeug. Auch beliebt: Kopf seitlich auf den Tisch legen. Ein Horror für die Wirbelsäule, aber es gibt ja gute Masseure. Im Auto: Sitzlehne zurück und Füße auf das Lenkrad, mitten auf der zweiten Spur. Erhöhtes Schlafbedürfnis haben viele: Rikschafahrer und Wachebeamte, Kellner und Damen, die auf Messekojen eigentlich etwas verkaufen sollten. Wie dieses Land Höchstleistungen zu vollbringen vermag? Vermutlich wie im Schlaf. Das gute, alte Nickerchen mag auch deshalb beliebt sein, weil man so nicht sprechen kann. Zitat des weisen Zhuang-Zi: "Ein Hund gilt nicht als gut, weil er gut bellt, und ein Mann gilt nicht als weise, weil er gewandt redet." Genau. Reden ist Silber, schlafen ist Gold.

Das Grazer Künstlerduo G.R.A.M., derzeit für drei Monate auf Stipendienaufenthalt im chinesischen Chengdu, berichtet im Falter regelmäßig über Merkwürdiges aus dem Reich der Mitte


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