VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 49/06 vom 06.12.2006

Das Wahlergebnis (die genauen Zahlen sucht man traditionellerweise im ganzen Heft vergebens) jagte dem Falter einen saftigen Schrecken ein, wie dem "Editorial" von Mischa Jäger zu entnehmen war:

"Zitat Brigitte Hermann: ,Nach dem 4. Oktober (Wahl Waldheims, Anm. A. T.) waren sie (der linke Rand der SP, Anm. M.J.) glücklich, dass sie endlich wieder eine Ausred' haben, zähneknirschend und mit schlechtem Gewissen, aber doch, wenn auch wieder einmal zum allerletzten Mal, SP zu wählen.' Dass sich viele der Zähneknirscher in der Zelle offensichtlich doch anders entschieden haben, ist eine der Überraschungen dieser Wahl.

Eine andere ist sicher das Debakel jener, die noch vor wenigen Wochen siegessicher ,einen Wahlsieg der Linken, der sich gewaschen hat, in die Scheune fahren wollten' und nun vor einem armseligen Häufchen geknickter Gras-Hälmchen stehen. Trotz aufwendig gemachtem (und an Peinlichkeit kaum überbietbarem) Kino-Werbefilm, flotten Sprüchen (auf SP-Plakatständern: ,Der Vergleich macht sie sicher', ,Politik ist machbar' und ,Basisdemokratie'.)

Wie auch immer: Die Grünen haben acht Mandate im Parlament. Das ist wahrhaft kein Grund zum Jubeln. Nicht nur wegen des gleichzeitig katastrophalen Stimmenzuwachses für Haider, sondern auch angesichts der Selbstpräsentation ihrer Spitzenkandidatin, die für künftige Auseinandersetzungen im Parlament nicht gerade optimistisch stimmt. Um Haider, gleichgültig ob als koalierender Mock-Sozius oder auf der Oppositionsbank, paroli bieten zu können, wird es jedenfalls mehr bedürfen als des ständigen Wiederkäuens von Platt-Pflanzen aus dem grünen Phrasenbiotop (...)"

Das Wahlergebnis lautete: SPÖ 43,1% (80 Mandate), ÖVP 41,3 (77), FPÖ 9,7 (18), Grüne 4,8 (8). Franz Vranitzky bildete mit Alois Mock eine große Koalition. Haiders Aufstieg begann. A.T.


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