STANDPUNKT

Saufen & Raufen

Politik | aus FALTER 49/06 vom 06.12.2006

Die Kaserne war verdreckt, deshalb entzog der Kommandant für eine Nacht die Heimschläfergenehmigung. Die Folge: Ausnahmezustand bei Zapfenstreich. Besoffene Rekruten brüllten durch die Gänge, ein Sessel flog durchs geschlossene Fenster, enthemmte Wehrmänner prügelten einem schmächtigen Kameraden das Gesicht blutig. So weit ein persönliches Bundesheererlebnis, das mangels technischer Möglichkeiten vor 13 Jahren nicht auf Video gebannt wurde. Vergleichsweise läppisch die Amateuraufnahmen, die nun der Kurier zum Skandal hochstilisert: Ein Soldat attackiert ein Verkehrszeichen, ein Zweiter fabriziert mit Spray und Feuerzeug eine Stichflamme, wieder andere schütten sich grölend mit Bier zu. Bundesheerler, die saufen - ganz was Neues! Es grenzt an Realitätsverweigerung, wenn ein Armeesprecher solche Aktivitäten als "Einzelfälle" abtut. Kein Wunder, dass spätpubertäre Burschen in schmuddeligen Uniformen auf ungesunde Ideen kommen. In der Regel haben Rekruten in den sechs Monaten Wehrdienst viel zu wenig (Sinnvolles) zu tun. In zwei Jahren, wenn das Heer die Grenze im Osten nicht mehr bewachen muss, sollte die kollektive Zeitverschwendung deshalb endlich abgeschafft werden. Denn wer in Österreich dient, der kennt - und das betrifft nicht nur Grundwehrdiener - bloß einen Feind: lähmende Langeweile. G. J.


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