"Gesteigertes Leben"


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 49/06 vom 06.12.2006

LITERATUR In "Dossier K." gibt Imre Kertész in Interviewform Auskunft über sein Werk und sein Leben.

Vermutlich ist Imre Kertész der am wenigsten umstrittene Literaturnobelpreisträger des letzten Jahrzehnts. Als der 1929 in Budapest geborene Schriftsteller den begehrten Preis 2002 zugesprochen bekam, war die literaturinteressierte Welt zufrieden: Kertész stand völlig außer Verdacht, die Auszeichnung aus politischen, moralischen oder sonstigen, letztendlich literaturexternen Gründen erhalten zu haben, und sein Werk, das in deutscher Übersetzung großteils in den Neunzigerjahren erschienen war, gehörte auch keineswegs einer fernen Ära versiegter Kreativität an. Mit dem "Roman eines Schicksallosen", an dem er von 1960 bis 1973 geschrieben hatte, dessen Manuskript zunächst abgelehnt worden, 1975 dann aber doch erschienen war (deutsch: 1995), hatte Kertész eines der wichtigsten literarischen Werke zu Auschwitz verfasst, wohin er 1944 als 15-jähriger Bub deportiert worden war.

Dass

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