SPIELPLAN

Kultur | Christopher Wurmdobler, Wolfgang Kralicek | aus FALTER 49/06 vom 06.12.2006

Das neue Programm von Leo Lukas heißt "Bei guter Führung lebenslänglich" (bis 9.12. im Kabarett Niedermair) und handelt vom Leben: dem des Kabarettisten und Musikers, dem seines Großvaters, eines engagierten Gewerkschafters, und anderer Verwandter. Im Rahmen eines Unterhaltungsabends aus dem Hochsicherheitstrakt packt Lukas aktuelle Themen von Prekariat ("Schashack'n-Charts") bis Islam ("nicht jeder mit an Leintuchhiatl tragt um den Bauch an Sprengstoffgürtel"), von der Videoüberwachung bis zum Frauenbild der ÖVP in sein sehr musikalisches Programm. Die Couplets reichen von einfach nur gaga im schlimmen EAV-Style bis äußerst witzig ("Lasst uns ficken ...") und, im Falle eines Songs für den eigenen Vater, sogar berührend. Was der Kabarettist gut kann: mit dem Publikum. Und so gerät das Spiel mit dem Sampler, den Lukas zum Aufbau seiner Songs live mit Geräuschen füttert, und den Zuschauern fast zum Höhepunkt der kleinen, vielleicht ein wenig zu harmlosen Knastunterhaltung. Lebenslänglich bitte nicht, aber knappe zwei Stunden lang ist dieser Abend gelungen.

Unglaublich, aber wahr: Die Hektiker gibt es schon seit 25 Jahren. Aus einer ziemlich tiefen Buberlpartie sind vier gestandene Herren der Unterhaltungsbranche geworden, die längst mehr oder weniger erfolgreiche Solokarrieren gestartet haben. Die alte Band aber haben sie nie aufgelöst, alle paar Jahre gibt es eine Hektiker-Reunion. Das aktuelle Programm heißt aus gegebenem Anlass "Silberhochzeit" (erst wieder ab 13.1. im Kabarett Simpl), enthält Nummern aus einem Vierteljahrhundert und ist durchwachsen ausgefallen. Neben schönen Stücken wie dem Interview mit einem vollkommen unbegabten Stimmenimitator oder einem aus Prolo-Sprüchen verschiedener anderer Kabarettisten gesampleten A-cappella-Exzess haben die Hektiker auch einige erstaunlich schwache Nummern ausgegraben, und die improvisierten Zwischenconférencen sind eher halblustig. Seltsam: Gemeinsam sind Florian Scheuba & Co. weniger als die Summe ihrer Teile.


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