Schöne Sitten

Politik | Robert Misik | aus FALTER 50/06 vom 13.12.2006

BUCHTIPP Ist die Spießigkeit die ultimative Coolness? Unsinn, sagt Autor Christian Rickens in seinem feinen Konterpamphlet zur neuen Bürgerlichkeit.

Was hat die neuentdeckte Unterschicht mit der Krise des Rentensystems, die Islamphobie mit den 68ern zu tun? Christian Rickens weiß es: Eine neue Spießigkeit färbt die Diskurse ein - all das Gerede über Werteverfall, die Faulheit der Verlierer, die demografische Krise, den "Gebärstreik" der Frauen, die Anpassungsunwilligkeit der Migranten und natürlich über die Sechzigerjahre-Revolten, die an all dem schuld seien. Rickens ist im Brotberuf Redakteur beim deutschen Manager-Magazin, wo eine hohe Spießerdichte vorausgesetzt werden darf, mithin also eine Kapazität in Spießerfragen.

Die neuen Spießer, die Rickens ausmacht, gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen: als stramme Konservative, die sich wieder trauen ("endlich kann man es sagen ..."), aber auch als einst rebellische Fortysomethings, die die schöne Seite der Gesittetheit


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