Wie ein Glas Wasser

Kultur | Paulus Hochgatterer | aus FALTER 50/06 vom 13.12.2006

MUSIKTHEATER Die Wiener Staatsoper hat wieder eine "Arabella". Und was für eine!

Wenn Sven-Eric Bechtolf seine Neuinszenierung von Richard Strauss' "Arabella" vor einem spiegelverkehrten Reklameschriftzug beginnen lässt, der ins Hotelzimmer des bankrotten Grafen Waldner hereinleuchtet, fühlt man sich eher ins Paris oder New York als ins Wien des angehenden 20. Jahrhunderts versetzt. Wenn Graf Elemér seiner Angebeteten mit Filmkamera und Mikrofon zu Leibe rückt, siedelt man die Handlung in der Zeit der ersten Tonfilme an. Und wenn am Ende Josephine Baker in ihrem Bananenröckchen durchs Bild hoppelt, weiß man, dass man mit beidem Recht hatte.

Egal ob Wien oder Paris - Bechtolfs Kalkül, das Stück durch Verpflanzung in die Zeit seiner Entstehung, das heißt ans Ende der 1920er-Jahre, atmosphärisch zu verdichten, geht eindeutig auf. Die drohende Weltwirtschaftskrise, das hysterische Festhalten an einer verlorenen heilen und das heraufsteigende Gespenst einer absolut unheilen Welt geben


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige