REZENSION

Die Dibos sind wir!

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 50/06 vom 13.12.2006

Wutentbrannt knallt Charlotte die Kündigung auf den Schreibtisch ihres Chefs. Schnitt. In einem Kaffeehaus zieht sie ihr weißes Apple-Notebook aus der Crumplertasche. Schnitt. Charlotte blickt versonnen. Schnitt: Zu sehen sind die Grundstückspreise im Multiplayer-Onlinegame, die Gedichte auf Charlottes Weblog, ein Word-Dokument ihres geplanten Buches über die neue Arbeitswelt. Was andere für einen holprigen Werbespot halten würden, ist für Holm Friebe und Sascha Lobo ein realistisches Wunschbild. Sie nennen es "digitale Boheme" und schildern es in ihrem Buch "Wir nennen es Arbeit".

Friebe und Lobo wandeln auf den Spuren von Siegfried Kracauer, der 1929 in "Die Angestellten" die graue Welt der Berliner Verkäufer und Tippsen beschrieb. Auch heute noch sei Vollzeitarbeit, so die These der Autoren, vor allem mit Betriebsblindheit und Bürotristesse verbunden; die 13 Monatsgehälter, Urlaubsgeld und die Aussicht auf Rente seien mit innerer Erstarrung erkauft: warten auf das Wochenende


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