Mit G.R.A.M. durch China

Da grinst der Elch

Steiermark Kultur | aus FALTER 50/06 vom 13.12.2006

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: "Hilft's nix, schadet's nix." Oder so ähnlich. Und so öffnet sich China mehr oder weniger ungehemmt dem Weihnachtsfest. Stille Nacht, Heilige Nacht in der Hotelhalle in Shanghai, Weihnachtshauben-Inflation im Supermarkt von Hangzhou, Lichterbaum und Watteschnee im ärmlichen Vorort von Chengdu. Das Klingelingeling-Gesülze aus dem Mund von Dean Martin macht den Gesängen aus dem buddhistischen Tempel gleich gegenüber ernsthaft Konkurrenz. Und Lebkuchen natürlich. Den gibt es im neu eröffneten Ikea-Store, dort, wo ein Hot Dog plus Cola nur umgerechnet 30 Cent kostet. Da grinst der Elch, und eine Regal-Armada wartet auf willige Käufer. Imperialismus? Das war einmal. Solange der Einkaufssamstag überzeugende Umsätze bringt, ist Toleranz, ist Interesse für das Neue da. Eben erst - wie hieß es - Halloween gefeiert, jetzt Weihnachten. Die Jungen besorgen sich Dufthäuschen und die, die schon viel erlebt haben, erinnern sich an eine Volksweisheit, die da lautet: "Auch wenn schon Schafe davon sind, lohnt es sich, den Pferch zu reparieren." Bloß: Wer soll anpacken? Und bald kommt Ostern.

Das Grazer Künstlerduo G.R.A.M., derzeit für drei Monate auf Stipendienaufenthalt im chinesischen Chengdu, berichtet im Falter regelmäßig über Merkwürdiges aus dem Reich der Mitte


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