Schade drum


Raimund Löw

Vorwort | aus FALTER 51/06 vom 20.12.2006

Ausland 2006 war das Jahr der verpassten Gelegenheiten. Die Welt im außenpolitischen Rückblick.

Den Anfang machte der Nahe Osten. Noch zu Jahresbeginn waren die Erwartungen in eine unter Ariel Sharon begonnene israelische Neuorientierung und in die von den USA so heftig eingeforderten palästinensischen Wahlen intakt. Die Stimmabgabe in Gaza und Ramallah verlief denn auch frei und fair. Aber das Ergebnis zeigte einen Reflex, der in den meisten Nachbarstaaten nicht viel anders gewesen wäre. Gegen eine korrupte und erfolglose Führung triumphierte die islamistische Opposition. Statt eines langwierigen Dialogs mit einem unsympathischen, aber trotzdem demokratisch legitimierten Wahlsieger setzte der Westen jedoch auf wirtschaftliche Erpressungsmaßnahmen. Mit Folgen, die seither in jedem Dorf und jeder Familie zu spüren sind. Alle verstehen jetzt: Wenn bei Wahlen in der islamischen Welt die Falschen erfolgreich sind, stößt die demokratische Begeisterung von Amerikanern und Europäern rasch

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