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Hundstage

Politik | aus FALTER 51/06 vom 20.12.2006

Cerberus hat zugeschnappt: Eine ärgere symbolische Demütigung hätte den Gewerkschaftern nicht widerfahren können, als dass ein Investmentfonds mit dem Namen des mythologischen Höllenhundes die Bawag schluckt. Die stolze Geschichte der roten Hausbank wird den neuen Herren egal sein, weshalb sich niemand Illusionen machen sollte: Lockt Profit, werden die Investoren die Bawag ungerührt weiter verscherbeln, notfalls auch zerschlagen. Angebliche Arbeitsplatzgarantien entpuppten sich schon oft - Stichwort Semperit - als Placebo. Trotz aller Wunden wird die Gewerkschaft aber nicht zwangsläufig in den Hades abtauchen. Mangels Bawag muss der ÖGB zwar ohne Dividende - im Jahr 2005 satte 70 Millionen Euro - auskommen. Doch Arbeitnehmervertreter können auch ohne eigene Bank überleben, wenn sie Effizienz nicht pauschal als neoliberalen Kampfbegriff ablehnen. An potenziellen Sympathisanten mangelt es angesichts brennender Probleme (wachsende Ungleichheit, Sozialabbau) nicht. Und seine Schulden dürfte der ÖGB dank des Bawag-Verkaufs nun los sein. Böse Folgen drohen aber, wenn sich Cerberus doch nicht als Schoßhündchen gebärdet und die Beute zerfleischt. Die ÖGB-Bosse müssten sich fragen lassen, ob sie das richtige Maul gefüttert haben. Dann könnte die Gewerkschaft erst recht auf den Hund gekommen sein. G. J.


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