"SEHNSUCHT"

Begegnung mit dem großen Gefühl

Kultur | Maya Mckechneay | aus FALTER 51/06 vom 20.12.2006

Wird alles gut", sagt Feuerwehrmann Markus zu einem Verletzten. Aber manche Versprechen halten nicht, und der Mann ist wenig später tot. Trotzdem ist jedes Versprechen zugleich ein Hoffen darauf, dass es wahr sein möge, und darum aufrichtig gemeint, in Valeska Grisebachs Film, der "Sehnsucht" heißt, wie eben der Wunsch nach der Erfüllung eines geahnten Wunders.

Grisebach lebt in Berlin, wo auch ihr Debütfilm "Mein Stern" (2001), die Geschichte einer scheuen ersten Liebe, inmitten von Plattenbauten spielt. Für "Sehnsucht" hat sie sich nach Zühlen ins Brandenburger Umland begeben: ein kleiner Ort, der scheinbar völlig außerhalb der Zeit im Herbstschlamm liegt. Laiendarsteller Andreas Müller und Ilka Welz spielen ein Ehepaar, das mit seinem Sohn ein Zühlener Einfamilienhaus bewohnt. An der Art, wie sie sich flüchtig zulächeln, spürt man ihre Liebe, und wenn er am Küchentisch einmal zu ihr sagt: "Ich würd' alles für dich tun", ist das wieder eines dieser Versprechen, die sich - wir wissen es seit seiner Begegnung mit dem Tod - oft nicht oder anders erfüllen, als man denkt.

Nach einem Feuerwehrfest wird Markus mit einer anderen schlafen: ein Vorfall, den Grisebach als Auslassung erzählt. Man sieht Andreas Müller tanzen, mit geschlossenen Augen über die gesamte Länge des Songs "Feel" von Robbie Williams. Der nächste Schnitt geht auf sein Gesicht in einem fremden Kissen.

In der nun folgenden "Dreiecksgeschichte" gelingt ein kleines Wunder: Nichts wirkt abgegriffen. Alles ist eigen, tragisch, märchenhaft und doch jederzeit von Zühlens Strommasten, Zäunen, Steinmauern und Sitzecken alltagsgerahmt. Mögen andere Filme machen über die prekäre Begegnung von Mann und Frau. Grisebach macht einen Film über die Begegnung eines Einfamilienhausbewohners mit dem großen Gefühl. Und entwirft so das wahre Drama im parallelen Raum.

Ab 5.1. im Gartenbau.


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