Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 51/06 vom 20.12.2006

SEX

Geschenktipp Die Nachbarin meinte, sie denke dieses Jahr gar nicht über Geschenke nach. Sofort schickte ich mich an, toter Hund zu spielen, aus Furcht vor schnarchigem Retrotext über Hass auf Weihnachten, die Lieblosigkeit der Eltern, damals vor 27 Jahren, und überhaupt, den Stress. Jedoch: "Heuer schenke ich Erotiklektüre. Allen." Die Menschen hätten keinen Sex mehr. Und wenn, dann komplizierten. Das wäre der Grund, warum sie alle so nerven würden. Sie plane jetzt die literarische Megainfiltrierung ihrer Umwelt, um den hormonellen Weltfrieden herzustellen. Ziel sei eine ausgeglichene Wurschtfrau beim Supermarkt, eine entkrampfte Chefin, lächelnde Omis, die nicht mehr nach ihrem Hund treten. Ich beurteile ihren Plan ja mit einer gewissen Skepsis. Ich habe einmal von ihr so ein Buch bekommen. Das war ein stilistischer Schmerzbold. Andererseits, sollten alle Beschenkten damit ein Wackelküchenkastl stützen, so wie ich, dann hat sie damit zumindest eine gewisse Stabilität des Alltags bewirkt.

HEIDI LIST

FUSSBALL

Mein Fußballjahr Trotz Rapidkrise war 2006 ein tolles Fußballjahr für mich. Immerhin war ich live beim WM-Semifinale Deutschlanditalien in Dortmund und habe jetzt endlich etwas, was ich meinen Enkeln erzählen kann. Die ansonsten eher enttäuschende WM wurde erst im letzten Augenblick - durch Zidanes Kopfstoß - unsterblich. Spiel des Jahres war das Champions-League-Finale Barcelona gegen Arsenal, als Tormann Jens Lehmann nach 18 Minuten ausgeschlossen wurde und Arsenal trotzdem fast gewonnen hätte. Apropos: Die heitersten Minuten meines Fußballjahrs erlebte ich bei Sportklub gegen PSV Team für Wien, als der gegnerische Goalie wegen Schiedsrichterbeleidigung ausgeschlossen wurde und danach wie Rumpelstilzchen tobte. Angeblich hatte er nicht den Schiri, sondern einen Mitspieler beschimpft.

WOLFGANG KRALICEK


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