PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Schnee voll Tränen

Stadtleben | aus FALTER 51/06 vom 20.12.2006

Nun jeweils ohne Messbuchzitat, denn die Optik Gehirngeschlagener ist verheerend. Rabbuni, ich möchte wieder sehen können ...

Mk 10,46-52

Natürlich ist diese Kolumne mein Ein und Alles, aber zugleich war jedes Eintreten in die Medien, das ich stolz erlebte, zugleich mein Ruin. Denn alles Eintreten in ein Medium ist zugleich der Austritt aus dem Leben. Die, die gewärtigen müssen, dass ein Gegenüber in Medien obwaltet, können nur loben oder bestenfalls hoffen, dass dasjenige Medienlebewesen in Summe vorgeführt wird und letzten Endes als dumme Sau verlischt. Natürlich gibt es schon einige, die ich feiere, wenn ich sie denke und konsumiere, und wünschte, dass ihr Wesen das Leben bereicherte.

Es trat nämlich ein Traum auf, der erste seit Hirnschlagszeiten, vorige Woche, und gestern regte sich die Erektik für ein oder zwei Sekunden und Millimeter, aber dass im bayrischen Fernsehen ein Kamel angekündigt wurde, dessen Baby es verschmähte. Jedenfalls, es schneite und ein ganz anderes Kamel war in meinem Traum unterwegs mit seinem Wärty, und also schneite es unter anderem auch in das Auge des Kamels, ich schwöre, ich habe seit meinem Spital nichts Bayrisches gefernseht, es war also ganz souverän in meinen Traum eingetreten. Also es war ein Traum und ein Kamel und sein Wärty und schneite, dass das Wärty sorgfältig mit einem Tuch herbeieilte, um das Aug auszuwischen, doch der Schnee war das Ein und Alles des Kamels, das vielleicht erstmals in einem Traum auftrat oder in einem Schnee, und also keinerlei Wissen über das Schneewesen hatte. Es musste ganz krawutisch werden und letzlich weinen, weil das Wärty es auswischen wollte, es aber auf sein Schneey ganz stolz war und es keinesfalls hergeben wollte.

Wir wussten also alle nicht, wie vergänglich der Schnee ist und wie verfeindet der Schnee mit den Tränen ist, und also vergeht.

Das war der erste Traum, und also vorgestern reckte sich das mikroskopische Ejakulat in der winzigen Erektion, und das war dann schon eine kleine Freude, und also dachte ich, es sei Anlass, wieder Woche für Woche predigtzudienen.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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