Mit G.R.A.M. durch China (LETZTER TEIL)

Riesen und Zwerge

Steiermark Kultur | aus FALTER 51/06 vom 20.12.2006

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: "Höre auf niemanden außer auf die Stimme, die aus dir selbst kommt." Will heißen: Auch die Autorität des Sprichwortes hat ihre Grenzen. Was in blumige Worte gekleidet ist, kann in der Praxis ebenso unpassend sein wie - für europäische Geschmäcker - die lauwarmen Hühnerkrallen nebst Zitronentörtchen beim Frühstück. Fragwürdiges Sein hinter glitzerndem Schein: Das Thema führt von der Rolex um drei Euro geradewegs zu dem in Originalgröße nachgebauten Kaiserpalast, von der Prada-Imitation zu den Als-ob-Altstädten in allen Landesteilen von China. Trügerische Fassaden mahnen rundum zur Skepsis: Was ist denn nun alt oder neu oder Realität oder Schimäre? Die idyllischen Gartenanlagen im klassischen Stil stammen aus der Jetztzeit, und auch auf die Maskerade der Sichuan-Oper ist kein Verlass mehr. Die guten Männer vom blauen Wald? Mitnichten. Überall doppelte Böden, oder wie ein chinesischer Weise es formulierte: "So mancher Riese ist nur der Schatten eines Zwerges." Das ist zwar von Novalis abgekupfert, macht aber nichts. Darauf lässt sich aufbauen.

Das Grazer Künstlerduo G.R.A.M. war für drei Monate auf Stipendienaufenthalt im chinesischen Chengdu und hat im Falter regelmäßig über Merkwürdiges aus dem Reich der Mitte berichtet.


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