STANDPUNKT

Zahlenfreude

Politik | aus FALTER 02/07 vom 10.01.2007

Die Kriminalstatistik 2006 ist (in Teilen) veröffentlicht, und sie straft alle diejenigen Lügen, die glauben, das Leben würde immer gefährlicher, die Jugend immer brutaler und die Menschheit insgesamt immer grauslicher. Im Jahr 2006 ging die Zahl der angezeigten Straftaten wie schon im Vorjahr zurück. Wir halten derzeit bei einer Gesamtzahl von 589.495 Delikten jährlich - das sind 15.777 Straftaten weniger als 2005. Mancher wird nun diesen Rückgang wenig beeindruckend finden, zumal die Aussagekraft derartiger, kurzfristiger Statistiken zweifelhaft ist - gerade der Kriminalstatistik haftet ja der Ruf an, je nach Bedarf willkürlich geschönt oder bedrohlich verunstaltet zu werden. Dennoch gibt das aktuelle Ergebnis Anlass zur Freude. Zum einen sind die Zahlen seit Jahren stabil. Zum anderen steht das Ergebnis in einem erfreulichen Gegensatz zum "subjektiven Sicherheitsempfinden", das gern vom Räuberboulevard genährt und von rechten Law-and-Order-Demagogen genützt wird. Was die Zahlen nicht verraten: dass die Polizei mit großem Aufwand viele kleine und wenige große Fische fängt. Dass es bei Einsätzen immer wieder zu brutalen Übergriffen auf Asylwerber kommt. Auch, dass die Wiener Polizeispitze seit Monaten in Machtkämpfe, Intrigen und Korruption verstrickt ist, kann eine erfreuliche Kriminalstatistik nicht vergessen machen. M. G. B.


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