FERNSEHEN

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 02/07 vom 10.01.2007

Jetzt hat uns der ORF also das nächste Kapitel der Natascha-Kampusch-Story geliefert. Und um das einzig Beruhigende dran zu erwähnen: Die Doku war nicht sensationslüstern, sondern brachte den hinreichend bekannten Kriminalfall mit ein paar neuen Details. Der bemühte Sozialarbeiterton des Interviewers Christoph Feurstein nervte leicht, wie schon bei den ersten Gesprächen mit Kampusch. Klar will der smarte Journalist die heikle Geschichte sensibel angehen, aber ständige Floskeln wie "Wollen Sie darüber reden?" braucht man dazu echt nicht - logisch will die Frau sprechen, das wurde vorher ja alles penibel ausgemacht. Es ist diese Betulichkeit, die bei den meisten Kampusch-Geschichten stört. So versuchte auch die ORF-Sendung, den Massen klarzumachen: Das junge Mädchen hat zwar einen Albtraum hinter sich, den man nicht in Worte fassen kann, aber sie scherzt mit Papa und Mama, ist gescheit, lacht, hat Pläne! Das wird schon wieder! Dass es Traumata gibt, mit denen manche Menschen ein Leben lang kämpfen - das will man den Sehern mit ihrem Hunger nach der heilen Welt nicht zumuten.


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