Kommentar

Für eine Kultur der Lüge


Klaus Nüchtern

Kultur | aus FALTER 02/07 vom 10.01.2007

Das neue Jahr begann, wie das alte geendet hatte: Die verhandelnden Big Ones droschen Phrasen, und die Medien spekulierten übers Ministerpersonal. Wirklich neu am neuen Jahr ist, dass Karl Kraus' monumentales publizistisches Unterfangen Die Fackel im Internet kostenlos zugänglich ist: http://corpus1.aac.ac.at/fackel/. Karl Kraus hat seinen Kampf der Phrase gewidmet, jenem "Ornament des Geistes", das den Nährboden fragwürdiger Existenzen bildet: "Von der Phrase leben allerdings zwei unerfreuliche Spezies von Menschen: die Schmöcke und die Demagogen", heißt es in Heft 200 der Fackel.

Die Phrase sieht heute freilich anders aus als noch zu Kraus' Zeiten. In den letzten Jahren hat sich das zunächst vor allem von Karl-Heinz Grasser verwendete NLP-Kauderwelsch (NLP = neoliberales Plauschen) bis in die Sozialdemokratie durchgesetzt. Der neue ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz etwa sprach in einem Interview mit profil davon, "wie das Unternehmen im 21. Jahrhundert aufgestellt sein soll",

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