AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 02/07 vom 10.01.2007

Theater kann man nicht lesen. Man muss es sehen, spüren, erleben. Weil manche Theaterbesucher den fundamentalen Unterschied zwischen Text (= Drama) und Aufführung (= Theater) immer noch nicht verstanden haben, schimpfen sie auf das "Regietheater" und fordern "Werktreue" ein. Warum das Unsinn ist, kann man im neuen Buch des Berliner Theaterdenkers Ivan Nagel nachlesen. "Drama und Theater" enthält Lobreden und Nachrufe auf Schauspieler, Autoren und Regisseure sowie Analysen von Stücken und Inszenierungen, die zum Großteil in den vergangenen vierzig Jahren geschrieben (und neu überarbeitet) wurden; aber das Buch ist mehr als ein Sammelband, mehr als die Summe seiner Texte. Abgesehen von einem unüberhörbar kulturpessimistischen Unterton ist das ein kluger, luzider Band über das Wesen der Bühnenkunst. Wer ihn gelesen hat, wird Drama nie wieder mit Theater verwechseln.

Sehr ausführlich beschreibt Ivan Nagel unter anderem Peter Steins legendäre Bremer Inszenierung von "Torquato Tasso"


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